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sbc-Energie-Radar KW 19/2026 Energy Sharing, Gaspaket und GModG

sbc soptim business consult GmbH

sbc-Energie-Radar

Ausgabe 10 • KW 19/2026

4. Mai 2026 • Was diese Woche trägt: Gesetze, die kommen – und Technik, die fehlt. Energy Sharing startet, Rollout stockt, Heizungsgesetz wartet.

 

■  Das Wichtigste – kurz & knapp

  • Energy Sharing startet am 1. Juni: Der neue §42c EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) ermöglicht erstmals gemeinschaftliche Stromnutzung über das öffentliche Netz – doch nur 5,5 % aller Messstellen verfügen über ein iMSys (intelligentes Messsystem). 94,5 % der Haushalte können am Stichtag technisch nicht teilnehmen. Stand 28.4.2026
  • Gaspaket im Bundestag: Erste Lesung am 23. April. Am 8. Mai stimmt der Bundesrat über Ausschussempfehlungen ab – darunter die Forderung nach einer Finanzierungsregelung für Wasserstoff-Verteilnetze. VNEP (Verteilernetzentwicklungspläne) werden Pflicht. Bundestag 23.4.2026
  • GModG verzögert sich erneut: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) kommt frühestens August in Kraft. Die 65-%-Erneuerbaren-Regel für Großstädte ist per Kabinettsbeschluss auf den 1. November 2026 verschoben. Update 30.4.2026
  • BNetzA-Verfahren beim Smart-Meter-Rollout: Die BNetzA (Bundesnetzagentur) leitete Ende März Aufsichtsverfahren gegen 77 gMSBs (grundsätzliche Messstellenbetreiber) ein, die noch keinen einzigen iMSys verbaut haben. Zwangsgelder sind angekündigt. BNetzA 27.3.2026
  • Wasserstoff-Gipfel heute in Dortmund: Der Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel 2026 findet am 5. Mai in Dortmund statt – mitten im Ruhrgebiet, mitten in unserem Kernmarkt. Veranstaltungsübersicht
 

■  Im Fokus

Energy Sharing ab 1. Juni: Das Gesetz steht – die Technik nicht

Bisher war das Teilen von Solarstrom mit Nachbarn über das öffentliche Netz in Deutschland faktisch unmöglich: Wer Strom liefern wollte, wurde automatisch zum Stromlieferanten – inklusive Bilanzkreismanagement, MaKo (Marktkommunikation) und Liefergarantie. Der neue §42c EnWG ändert das ab 1. Juni 2026. Privathaushalte, KMU (kleine und mittlere Unternehmen) und Kommunen können sich zu Energy Sharing Communities (ESC) zusammenschließen und lokal erzeugten Strom bilanziell teilen – zunächst innerhalb des Netzgebiets eines VNB (Verteilnetzbetreibers), ab 2028 auch netzgrenzenüberschreitend. Die Voraussetzung: ein iMSys mit Viertelstundenmessung an jeder Verbrauchsstelle. Genau hier liegt das Problem. Laut BNetzA sind per Jahresende 2025 nur 5,5 % aller deutschen Messlokationen mit einem iMSys ausgestattet. Ein Blick nach Österreich ist erhellend: Dort sind 96,9 % der Messstellen physisch gerüstet – aber nur 12,6 % senden tatsächlich Viertelstundenwerte. Der Geräte-Rollout ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Auch die BNetzA muss bis zum Starttermin noch Festlegungen zu Abrechnungs- und Bilanzierungsprozessen treffen – Stand März 2026 war das noch offen.

Relevanz für sbc: VNBs müssen Energy Sharing ab Juni ermöglichen – Prozesse, IT und MaKo sind in kurzer Zeit aufzubauen. Das ist ein konkreter Beratungsansatz für unsere Kunden, besonders für kleinere Stadtwerke ohne eigene Ressourcen.

Quellen: Gleiss Lutz Analyse  |  Smart-Meter-Stand 28.4.2026

 

Gaspaket im Bundestag: Stilllegungsregeln und Wasserstoff-Pflichten kommen

Am 23. April 2026 hielt der Bundestag die erste Lesung zum Gesetzentwurf zur Umsetzung des europäischen Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets (Drucksache 21/5440). Bisher fehlte Gasnetzbetreibern in Deutschland ein klarer Rechtsrahmen für geordnete Netzstilllegungen: Nach aktueller Rechtslage ist eine Stilllegung nur in engen Ausnahmen zulässig. Das ändert sich: Das Gesetz schreibt erstmals Verteilernetzentwicklungspläne (VNEP) vor, die VNBs gemeinsam mit Kommunen und Landesbehörden erarbeiten müssen. Wesentlich: Es gibt keine Pflicht zum Rückbau. Bestehende Leitungen können weitergenutzt oder auf Wasserstoff umgerüstet werden – nur wo dauerhaft keine Nutzung mehr möglich ist, wird Rückbau erzwingbar. Zusätzlich erhält Wasserstoff einen regulierten Netzzugang analog zum Gassektor. Zeitdruck ist real: Die EU-Richtlinie muss bis 5. August 2026 in nationales Recht umgesetzt sein. Am 8. Mai stimmt der Bundesrat über Ausschussempfehlungen ab – beide Ausschüsse fordern eine gesetzliche Finanzierungsregelung für Wasserstoff-Verteilnetze, die im Gesetzentwurf noch fehlt.

Relevanz für sbc: Unsere Kunden brauchen jetzt Unterstützung bei der Erstellung von VNEP – Methodik, Stakeholder-Abstimmung mit Kommunen, Szenarioplanung Gas-zu-H2. Das ist ein klassisches sbc-Beratungsfeld mit klaren Fristen.

Quellen: Bundestag 23.4.2026  |  ZfK Gesetzesticker (30.4.2026)

 

Gebäudemodernisierungsgesetz: Die nächste Verzögerung, die nächste Fristverschiebung

Das GModG (Gebäudemodernisierungsgesetz) soll das bisherige GEG (Gebäudeenergiegesetz 2024) – im Volksmund „Heizungsgesetz“ – ablösen. Kerninhalte: Die 65-%-Erneuerbaren-Regel fällt, Gas- und Ölheizungen bleiben erlaubt, müssen aber ab 2029 schrittweise mit Bio-Brennstoffen betrieben werden („Bio-Treppe“, Start 10 %). Eigentlich sollte das Gesetz zum 1. Juli in Kraft treten. Daraus wird nichts: Der Kabinettsbeschluss ist nun für den 13. Mai 2026 geplant – gilt aber als nicht gesichert. Das Inkrafttreten verschiebt sich auf frühestens August. Um Rechtsunsicherheit zu vermeiden, hat das Bundeskabinett per Formulierungshilfe die 65-%-Regel für neue Heizungen in den 80 Großstädten über 100.000 Einwohner vom 1. Juli auf den 1. November 2026 geschoben. Der letzte offene Streitpunkt – Mieterschutz bei fossilen Heizungen – soll laut Wirtschaftsministerin Reiche Ende April gelöst worden sein: Vermieter müssen künftig die Hälfte der CO2-Preiskosten und Bio-Brennstoffmehrkosten übernehmen.

Relevanz für sbc: Für Stadtwerke mit Wärmesparte ist die Verzögerung ein zweischneidiges Schwert – mehr Planungszeit, aber anhaltende Kundenverunsicherung. Kommunale Wärmeplanung (KWP) bleibt das zentrale strategische Instrument. Guter Gesprächseinstieg bei Kundenterminen.

Quellen: Energie-Fachberater (30.4.2026)  |  aroundhome.de (30.4.2026)

 

BNetzA erhöht Druck: 77 Aufsichtsverfahren wegen Smart-Meter-Versaümnissen

Ende März leitete die BNetzA Aufsichtsverfahren gegen 77 gMSBs ein – Unternehmen, die bis Jahresende 2025 die gesetzliche 20-%-Pflichtquote nicht nur verfehlt, sondern noch keinen einzigen iMSys verbaut hatten. BNetzA-Präsident Klaus Müller machte klar: Der nächste Schritt ist Zwangsgeld. Gesamtbild: Die Pflichteinbauquote (nur relevante Verbrauchergruppen) liegt bei 23,3 % – also über der Messlatte. Die Gesamtquote über alle Messstellen liegt bei nur 5,5 %. Zum Vergleich: Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanien und Finnland hatten 2021 bereits 98 % Abdeckung. Der Rollout ist 2026 keine Kanalbaustelle mehr, sondern Pflichtinfrastruktur: Dynamische Tarife müssen angeboten werden, Energy Sharing benötigt iMSys mit Viertelstundenmessung, und §14a EnWG (Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Wallboxen durch den Netzbetreiber) setzt Smart-Meter-Gateways voraus.

Relevanz für sbc: Kleinere Stadtwerke unter Aufsichtsdruck brauchen schnell Unterstützung bei Rollout-Planung, Kooperationsmodellen mit wMSBs (wettbewerblichen Messstellenbetreibern) und Prozessaufbau. Konkretes Vertriebspotenzial, das jetzt aktiviert werden kann.

Quellen: BNetzA Pressemitteilung 27.3.2026  |  Energieverdichter.de: Warum 2026 Schlüsseljahr wird

 

■  Longread der Woche

Germanwatch: Energy Sharing nach §42c EnWG – Potenziale, Anforderungen und fünf Handlungsfelder

Dieses Mitte April veröffentlichte Papier ist ehrlicher als die meisten Jubelbeiträge zum Thema Energy Sharing. Germanwatch bescheinigt dem Modell echte Potenziale für gesellschaftliche Teilhabe und Netzdienlichkeit – benennt aber klar: zentrale energiewirtschaftliche Prozesse sind noch ungeklärt, viele VNBs sind zum Starttermin weder technisch noch organisatorisch bereit. Das Papier benennt fünf konkrete Handlungsfelder und ist aktuell die kompakteste, seriöseste Einführung in das Thema. Pflichtlektüre für alle, die Stadtwerke oder Netzbetreiber beim Aufbau von ESC-Prozessen begleiten.

Empfohlen für: alle sbc-Berater mit Berührungspunkten zu Messstellenbetrieb, MaKo und kommunaler Energiewende.

Zum Germanwatch-Papier (PDF, 6,2 MB) →

 

■  NRW & Essen – regional

Heute in Dortmund: Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel 2026

Am 5. Mai findet in Dortmund der Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel statt – mitten in NRW, mitten in unserem Kernmarkt. Themen sind H2-Kernnetz, Infrastrukturfinanzierung, Markthochlauf und industrielle Abnahme. Für alle, die Kontakte knüpfen und den aktuellen Umsetzungsstand aus erster Hand erhalten wollen, ein Pflichttermin. Energiebranche-Veranstaltungsübersicht →

8. Mai: Bundesrat stimmt über Gaspaket ab

Am Freitag dieser Woche entscheidet der Bundesrat über die Ausschussempfehlungen zum Gaspaket. Beide Ausschüsse fordern eine Finanzierungsregelung für Wasserstoff-Verteilnetze – ein Kernanliegen auch der NRW-Netzbetreiber, ohne die der H2-Rollout in der Fläche nicht finanzierbar ist. ZfK Gesetzesticker →

September 2026: VKU-Stadtwerkekongress in Berlin vormerken

Der VKU (Verband kommunaler Unternehmen)-Stadtwerkekongress findet 2026 vom 15.–17. September in Berlin statt. Seit über 25 Jahren die wichtigste Plattform für Entscheider der Kommunalwirtschaft. Jetzt in den Kalender eintragen. VKU-Stadtwerkekongress 2026 →

 

■  Smalltalk-Stoff

94,5 %

der Haushalte können am 1. Juni nicht mitmachen

Energy Sharing startet – aber 94,5 % aller deutschen Haushalte können technisch nicht teilnehmen, weil ihnen das iMSys fehlt. Ein guter Einstieg für Gespräche über die Kluft zwischen gesetzlichem Anspruch und Rollout-Realität.

 

2021

hatten Dänemark & Schweden schon 100 % Smart Meter

Deutschland steht heute bei 5,5 % Gesamtquote. Spanien, Norwegen, Finnland, Estland: über 98 % seit 2021. Der Satz „Deutschland digitalisiert sich“ verdient einen skeptischen Blick.

 

sbc soptim business consult GmbH • Essen. Wir sind die Beratung für die Energiewirtschaft zu Smart-Meter-Rollout, KI/ AI und Digitalisierung.

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Ausgabe 10 • KW 19/2026 • 4. Mai 2026

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