Digitalisierung EnergiewirtschaftNetztransformationWärmewende

sbc-Energie-Radar KW 25/2026: BDEW-Bilanz, Redispatch, AgNes

sbc soptim business consult GmbH

sbc-Energie-Radar

Ausgabe 16 • KW 25/2026

15. Juni 2026  •  Was diese Woche trägt: Der BDEW-Kongress ist vorbei – und die zwei großen Gesetze hängen weiter. Die BNetzA legt offen, wohin die Netzentgelte ab 2029 laufen. Und 15 Tage vor dem Wärmeplan-Stichtag wird im Revier gezählt.

 

■ Das Wichtigste – kurz & knapp

BDEW-Kongress 2026 endet ohne Durchbruch: Vier Bundesminister, rund 1.600 Teilnehmende – aber EEG-Novelle 2027 und Netzpaket bleiben im Kabinett blockiert. Reiche stellt beide Vorhaben „vor der Sommerpause“ in Aussicht, zeigt sich beim umstrittenen Redispatch-Vorbehalt erstmals gesprächsbereit.
Redispatch-Vorbehalt wird zur Bruchstelle: Neue EE-Anlagen in Engpassgebieten sollen 10 Jahre auf Abregelungsentschädigung verzichten. VKU und Erneuerbaren-Verbände laufen Sturm, die SPD trägt den Kurs nicht mit. Erste Gegenmodelle (netzoptimierte Ausschreibungen) liegen auf dem Tisch.
AgNes wird konkret: Die BNetzA hat Ende Mai ihren Sachstandsbericht zur künftigen Netzentgeltsystematik vorgelegt. Erstmals zahlen nicht nur Verbraucher, sondern auch Erzeuger und Speicher Netzentgelte. Formelle Konsultation im Sommer, Inkrafttreten 1. Januar 2029.
Wärmeplan-Stichtag in 15 Tagen: Zum 30. Juni müssen alle Großstädte über 100.000 Einwohner ihren Wärmeplan vorlegen. Laut KWW waren im April erst 56 Prozent fertig – mehrere Ruhrgebietsstädte hängen bei der Datenaufbereitung.
Ab 1. Juli sinken die vermiedenen Netzentgelte um 50 Prozent: Die schrittweise Abschmelzung nach BNetzA-Beschluss läuft an – bis 2029 entfallen sie vollständig, auch für Betreiber dezentraler Erzeugungsanlagen.
 

■ Im Fokus

BDEW-Kongress 2026: Viel Bühne, wenig Beschluss – die zwei Gesetze hängen weiter

Am 10. und 11. Juni traf sich die Branche in der STATION-Berlin – mit vier Bundesministerinnen und -ministern und rund 1.600 Teilnehmenden das größte Energie-Branchentreffen des Jahres. Der mit Spannung erwartete Auftritt von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fiel mit einer schlechten Nachricht zusammen: Am Vormittag hatte das Kabinett erneut nicht über EEG-Novelle und Netzpaket beraten.

Vorher galt: Beide Gesetzespakete sollten ursprünglich Anfang Juni durchs Kabinett. EEG und Netzpaket gelten als zentrale Stellschrauben für Erneuerbaren-Ausbau, Netzanschluss und Investitionssicherheit.

Künftig: Reiche kündigte an, beide Vorhaben „vor der Sommerpause“ ins Kabinett zu bringen – eine Debatte oder gar Beschlussfassung im Bundestag dürfte damit aber frühestens im September starten. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae forderte ein eigenständiges „Energiepaket 2026“ und warnte davor, es mit anderen Themen zu vermischen. Der Kongress legte erneut die Gräben zwischen unionsgeführtem Wirtschafts- und SPD-geführtem Umweltministerium offen.

Was das bedeutet: Ohne neues EEG droht ab 1. Januar 2027 ein Förder-Vakuum – im Extremfall Erneuerbaren-Zubau nur noch für den Eigenverbrauch. Für Stadtwerke und Projektierer heißt das: planen unter Unsicherheit, mit einem realistischen Verzögerungsszenario im Investitionskalkül.

Relevanz für sbc

Die Hängepartie ist selbst ein Beratungsanlass: Stadtwerke und Netzbetreiber brauchen jetzt belastbare Szenario-Korridore (Inkrafttreten Q3/Q4 2026 vs. Verschiebung 2027) für Wirtschaftsplanung und Projektpipeline. Konkrete Einstiege: Sensitivitätsrechnung Erneuerbaren-Portfolio, Stresstest der Netzanschluss-Roadmap und ein Monitoring-Setup für die Ressortabstimmung. Wer die regulatorische Unsicherheit strukturiert, verschafft der Geschäftsführung Entscheidungsfähigkeit.

 

Redispatch-Vorbehalt: Das schärfste Schwert im Netzpaket – und sein größtes Risiko

Im Zentrum des festgefahrenen Netzpakets steht ein einziges Instrument: der Redispatch-Vorbehalt. Er soll Erneuerbaren-Zubau und Netzausbau besser synchronisieren – trifft aber einen Nerv der Investorenlogik.

Vorher galt: Erneuerbare Anlagen genießen Einspeisevorrang und erhalten bei netzbedingter Abregelung (Redispatch) eine Entschädigung. Das Risiko von Netzengpässen lag faktisch beim Netzbetreiber bzw. der Allgemeinheit.

Künftig: Verteilnetzbetreiber sollen Netzbereiche als „kapazitätslimitiert“ ausweisen können. Als Engpassgebiet gilt ein Bereich, in dem im Vorjahr mindestens 3 Prozent der Erzeugung abgeregelt wurden. Neue Anlagen dort bekommen nur dann einen Anschluss, wenn sie 10 Jahre lang auf Entschädigung bei Abregelung verzichten. Zusätzlich soll der Baukostenzuschuss künftig auch für Erzeugungsanlagen fällig werden.

Was das bedeutet: Der VKU warnt, systemische Risiken würden einseitig auf die Erzeuger verlagert. Da bei der Projektplanung der künftige Ertragsausfall unbekannt ist, steigt das Finanzierungsrisiko – Anlagen werden teurer oder gar nicht gebaut. Reiche-Staatssekretär Wetzel signalisierte erstmals Offenheit für Alternativen; Ökoinstitut und Stiftung Umweltenergierecht haben mit netzoptimierten Ausschreibungen (Netzengpass-Malus nur in der Gebotsreihung) bereits einen Gegenvorschlag vorgelegt.

Relevanz für sbc

Für VNB-Kunden ist das ein doppeltes Beratungsfenster: erstens die Methodik – wie definiert und dokumentiert man Engpassgebiete rechtssicher und datenbasiert (Abregelungs-Historie, Netzberechnung, Transparenzpflichten)? Zweitens die strategische Folgenabschätzung für die eigene Erzeugungs- und Beteiligungsstrategie. Für Stadtwerke als Anlagenbetreiber: Risikobewertung der Projektpipeline gegen Engpassgebiets-Szenarien. sbc kann hier die Brücke zwischen Netzdaten, Regulierungslogik und Investitionsentscheidung schlagen.

 

AgNes wird konkret: Wie sich die Netzentgelte ab 2029 neu sortieren

Ende Mai 2026 hat die Große Beschlusskammer der BNetzA ihren Sachstandsbericht zur Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes, Az. GBK-25-01-1#3) veröffentlicht – ein bewusstes Frühsignal an alle Stakeholder, wohin die Reise geht.

Vorher galt: Netzentgelte basieren auf der StromNEV und werden im Kern von den Verbrauchern getragen. Mit dem Auslaufen der StromNEV braucht es ein neues Systemfundament.

Künftig: Die BNetzA hält an der kostenbasierten Ermittlung je Netzbetreiber fest – aber erstmals zahlen nicht nur Verbraucher, sondern auch Speicher und Erzeuger Netzentgelte. Die formelle Konsultation des Entwurfs zur Rahmenfestlegung ist für den Sommer 2026 vorgesehen und soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Inkrafttreten: 1. Januar 2029, mit rund zwei Jahren Umsetzungsvorlauf für die Marktakteure. Hintergrund der Dringlichkeit: Die Netzkosten liegen bereits bei rund 37 Mrd. Euro, der Investitionsbedarf bis 2045 wird auf über 650 Mrd. Euro geschätzt.

Was das bedeutet: AgNes ist kein Feinschliff, sondern ein Systemwechsel – mit Auswirkungen auf Tarifierung, Abrechnungs-IT, Marktkommunikation und die Wirtschaftlichkeit von Speicher- und Erzeugungsprojekten. Wer erst 2028 anfängt, baut retrofit.

Relevanz für sbc

Jetzt ist das Fenster, um Mandanten AgNes-fähig zu machen: Impact-Assessment der neuen Entgeltlogik auf Erlöse und Kostenwälzung, Anpassungsbedarf in Abrechnungs- und MaKo-Systemen, sowie eine Roadmap bis zum 1.1.2029. Für Stadtwerke mit eigenen Speicher-/Erzeugungsambitionen: Wirtschaftlichkeitsneubewertung unter Erzeuger-Netzentgelten. sbc kann den AgNes-Sachstand in konkrete Hausaufgabenlisten für Regulierungs-, Vertriebs- und IT-Teams übersetzen – und die Konsultation im Sommer aktiv begleiten.

 

Wärmeplan-Finale: 15 Tage vor dem Stichtag – das Revier zählt

Am 30. Juni 2026 endet für alle rund 80 Großstädte über 100.000 Einwohner die WPG-Frist zur Vorlage des kommunalen Wärmeplans. Der Endspurt läuft – ungleich verteilt.

Vorher galt: Im April hatten laut Zentrum für Kommunale Wärmewende (KWW) erst 56 Prozent der Großstädte ihre Planung abgeschlossen, 44 Prozent steckten noch im Prozess. München und Mannheim gelten als Vorreiter.

Künftig: Mit dem Stichtag greift die 65-Prozent-EE-Pflicht im Bestand – allerdings erst zum verschobenen GModG-Termin 1. November 2026, unabhängig davon, ob die einzelne Kommune fristgerecht liefert. Mehrere Ruhrgebietsstädte hängen, weil die kommunalen Werke noch Datenbestände aufarbeiten.

Was das bedeutet: Der eigentliche Wert des Plans liegt nicht im PDF, sondern in der Datengrundlage, die für Bauleitplanung, Umsetzungsfahrpläne und Anschlusspriorisierung weiterlebt. Wer die Datensouveränität nicht sichert – Plausibilität der Annahmen, langfristige Datenhaltung –, hat 2026 formal erfüllt und 2030 nichts in der Hand.

Relevanz für sbc

Zwei Beratungswellen laufen parallel: Für Nachzügler-Kommunen schlanke Beschleunigung (Beschlussvorlagen, Konsultationsmanagement). Für fertige Pläne – und das ist die größere Welle – der Übergang in die Umsetzung: Umsetzungsfahrpläne, Quartiers-Roadmaps, Anschlusspriorisierung und vor allem ein belastbares Datenmanagement-Konzept. Das Essener Modell (Stadtwerke Essen / Iqony Fernwärme) zeigt, wie Plan und Netzbetrieb verzahnt werden – eine Blaupause, die sbc für andere Ruhrgebietskommunen operationalisieren kann.

 

■ Longread der Woche

Netzentgeltreform AgNes – was Stadtwerke jetzt einordnen müssen

Rödl & Partner hat den BNetzA-Sachstandsbericht für die Praxis aufbereitet: Was bedeutet die Verlagerung der Entgeltlast hin zu Erzeugern und Speichern konkret? Welche Übergangsregelungen gelten für Investitionsentscheidungen vor dem 4. August 2029? Und warum wird die Umsetzung technisch wie organisatorisch zur zentralen Herausforderung? Pflichtlektüre für alle, die den AgNes-Fahrplan in die eigene Roadmap übersetzen müssen.

→ Rödl & Partner: Bundesnetzagentur konkretisiert Netzentgeltreform AgNes

■ Anknüpfungspunkte

Aus KW 24 (BDEW-Kongress als Ausblick): Ausgabe 15 hatte den Kongress als Agenda-Setter angekündigt – jetzt liegt die Bilanz vor: viel Politprominenz, aber kein Befreiungsschlag bei EEG und Netzpaket. Der Knoten bleibt im Kabinett.

Aus KW 23 (vermiedene Netzentgelte): Die 50-Prozent-Absenkung ab 1. Juli wird in dieser Woche greifbar – und ordnet sich in das größere AgNes-Bild ein, das die dezentrale Einspeisung neu bepreist.

Aus KW 21 (GModG / Wärmeplan-Endspurt): Der Stichtag rückt von „sechs Wochen“ auf 15 Tage. Die 65-Prozent-Pflicht greift dann zum GModG-Termin 1. November – der Schwebezustand zwischen GEG-alt und GModG-neu zieht sich.

Aus KW 17 / KW 24 (Essen / Iqony): Das Essener Joint Venture bleibt der regionale Prüfstein – mit dem Wärmeplan-Finale entscheidet sich, welche Stadtteile an den Wachstumspfad angeschlossen werden.

■ NRW & Essen – regional

18. Juni Offene Sprechstunde kommunale Wärmeplanung (online). NRW.Energy4Climate – letzte niedrigschwellige Beratung vor dem Stichtag. Für Kommunen im Endspurt.
30. Juni Doppel-Stichtag. Wärmeplan-Frist für alle Großstädte – und ab 1. Juli sinken die vermiedenen Netzentgelte um 50 Prozent.
30.6.–1.7. 18. Branchentag Windenergie NRW, Neuss (Zeughaus). Netze, Speicher, KI, Finanzierung – und mittendrin die Redispatch-Debatte.
laufend Essen / Iqony Fernwärme. Auf Basis der kommunalen Wärmeplanung prüfen beide Partner die Kopplung von Niedertemperatur- und Hochtemperatur-Netzen. Iqony betreibt über 1.500 km Netz und liefert mehr als 3 Mrd. kWh Wärme/Jahr im Revier – Ziel: klimaneutral bis 2040.

■ Smalltalk-Stoff

650 Mrd. €

geschätzter Netz-Investitionsbedarf bis 2045

Das ist die Zahl hinter AgNes. Bei heute schon rund 37 Mrd. Euro jährlichen Netzkosten würde ohne Reform der Entgelte ein deutlicher Anstieg drohen. Deshalb sollen ab 2029 erstmals auch Erzeuger und Speicher mitzahlen.

 

10 Jahre

Entschädigungsverzicht im Redispatch-Vorbehalt

So lange sollen neue Anlagen in Engpassgebieten auf Abregelungsentschädigung verzichten. Engpassgebiet = mehr als 3 Prozent Abregelung im Vorjahr. Genau diese Klausel hält das gesamte Netzpaket im Kabinett auf.

 

Vertiefung – Themen aus dem sbc-Beratungsportfolio

Netzentgelte, AgNes, Redispatch, Netzanschluss: Netztransformation – vom Auftrag zur Steuerung →

Wärmeplan-Umsetzung, Datenmanagement, Quartiers-Roadmaps: Wärmewende umsetzen – vom Plan zur Wirklichkeit →

EEG-Szenarien, neue Geschäftsmodelle, Investitionssicherheit: Innovation in der Energiewirtschaft – von der Idee zum Geschäftsmodell →

 

sbc soptim business consult GmbH • Essen. Wir sind die Beratung für die Energiewirtschaft zu Smart-Meter-Rollout, Wärmewende, Netztransformation, Innovation und Digitalisierung.

Dieser Newsletter wurde vollständig mit Künstlicher Intelligenz (Claude von Anthropic) generiert und redaktionell nicht nachgeprüft. Links und Fakten bitte vor Weitergabe verifizieren.

Ausgabe 16 • KW 25/2026 • 15. Juni 2026

Kontakt

Neugierig? Dann rufe uns direkt an, oder schreibe uns eine Mail!

Telefon: +49 (0)241 400 23 – 0
E-Mail: info@soptimbc.de

Folge uns auch auf LinkedIn, um auf dem Laufenden zu bleiben:

Folge sbc auf LinkedIn