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sbc-Energie-Radar KW24/2026: GModG, iMSys-Verfahren und BDEW-Kongress

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sbc Energie Radar

Ausgabe 15 • KW 24/2026

8. Juni 2026 • Eine Woche, in der das alte Heizungsgesetz stirbt, vier Minister die Branche treffen – und 77 Stadtwerke vor dem Regulierer stehen.

 

■  Das Wichtigste – kurz & knapp

  • GModG in 1. Lesung & Bundesratsrunde: Am 11. Juni geht das Gebäudemodernisierungsgesetz in die erste Bundestagslesung, am 12. Juni nimmt der Bundesrat mit 67 Kritikpunkten Stellung. Die 65-Prozent-EE-Pflicht ist bis 1. November verschoben – was danach gilt, ist noch offen.
  • BDEW Kongress sendet Signale: Vier Minister in Berlin – Reiche, Schneider, Hubertz und Wildberger diskutieren mit 1.800 Teilnehmenden über Versorgungssicherheit, Kapazitätsmechanismen, Wärmewende und Digitalisierung. Das Kongress-Nachbild prägt die zweite Jahreshälfte.
  • BNetzA eskaliert beim iMSys-Rollout: 77 Aufsichtsverfahren gegen säumige Messstellenbetreiber wurden im März eingeleitet – davon sind viele kleine Stadtwerke betroffen. Die 20-Prozent-Quote ist im Aggregat erreicht (23,3 %), aber nur bei Pflichteinbau-Fällen.
  • Wärmeplan-Finale: 22 Tage: Essen zeigt, wie es geht – die vertiefte Partnerschaft von Stadtwerken Essen und Iqony Fernwärme für Netzkopplung und gemeinsame Erzeugung ist das Ruhrgebiets-Modell für die Post-Wärmeplan-Ära.
  • Bio-Treppe kommt ab 2029: Der GModG-Entwurf schreibt steigende Beimischquoten für klimaneutrale Brennstoffe vor (10 % ab 2029, 60 % ab 2040) – eine neue Planungsgröße für Gasnetzbetreiber und KWK-Betreiber.
 

■  Im Fokus

Gebäudeenergie • GModG

GModG: Das neue Heizungsgesetz passiert diese Woche Bundestag und Bundesrat – mit 67 offenen Fragen

Bisher galt: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) der Ampelkoalition verpflichtete ab 2024 schrittweise dazu, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Für Großstädte über 100.000 Einwohner sollte diese Pflicht ab 1. Juli 2026 greifen, sobald ein kommunaler Wärmeplan vorliegt.

Künftig: Am 11. Juni geht der Regierungsentwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) in die erste Bundestagslesung. Einen Tag später, am 12. Juni, nimmt der Bundesrat in seiner 1066. Sitzung Stellung – auf Basis von 67 durchnummerierten Kritikpunkten der zuständigen Ausschüsse. Die Kernpunkte: Die 65-Prozent-EE-Pflicht entfällt im GModG vollständig. Fossile Heizungen dürfen wieder eingebaut werden. Ab 2029 gilt die sogenannte Bio-Treppe: steigende Beimischquoten klimaneutraler Brennstoffe (10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035, 60 % ab 2040). Parallel soll eine Grüngasquote eingeführt werden. Die bis zum 1. November verschobene GEG-Übergangsfrist gibt dem parlamentarischen Prozess Luft – ein Abschluss noch vor der Sommerpause bleibt das Ziel.

Die Bundesratsausschüsse sind deutlich: Das GModG “weise in die falsche Richtung”, verlangsame die Wärmewende und ignoriere Biomasse-Knappheit sowie Mieterschutz. Da das GModG ein Einspruchsgesetz ist, kann der Bundesrat das Verfahren verzögern, aber nicht stoppen. Die abschließende Länderkammer-Befassung folgt nach dem Bundestagsbeschluss, voraussichtlich im Oktober.

Relevanz für sbc

Das GModG verändert den Beratungsbedarf für Stadtwerke in zwei Richtungen: Erstens entfällt der Zwang zum Wechsel auf erneuerbare Heizungen – was kurzfristig den Druck aus Kundengesprächen nimmt, mittelfristig aber das Fernwärme-Expansionsgeschäft schwieriger macht. Zweitens bringt die Bio-Treppe ab 2029 neue Anforderungen für Gasnetzbetreiber und KWK-Betreiber: Welche Anlagen sind biogas-ready? Wo entsteht Beratungsbedarf beim Biomethan-Beschaffungsmanagement? Die Antworten darauf sollten jetzt erarbeitet werden – bevor das Gesetz in Kraft tritt.

Branche • BDEW Kongress

BDEW Kongress 2026: Was die vier Ministersignale für Stadtwerke bedeuten

Bisher galt: Der jährliche BDEW Kongress ist das Branchentreffen der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft. 2025 standen Transformation und Klimaneutralität im Zentrum; die neue Bundesregierung hatte sich gerade formiert.

Künftig: Der Kongress 2026 am 10./11. Juni in der STATION Berlin vereint vier Bundesminister auf einer Bühne: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz), Umweltminister Carsten Schneider (Klimaneutralität, Balance), Bauministerin Verena Hubertz (Wärmewende, Gasnetztransformation) und Digitalminister Dr. Karsten Wildberger (Digitalisierung, Bürokratieabbau). Für die Branche werden die Signale zu drei Kernfragen richtungsweisend: Wie sieht der Kapazitätsmechanismus aus dem StromVKG konkret aus? Welche Flex-Agenda setzt die Bundesregierung durch? Und: Wie verzahnt die neue Koalition Wärmewende und Gasnetztransformation nach dem GModG?

Thematisch standen auf den fünf Bühnen unter anderem Kapazitätsinstrumente und Systemdienstleistungen, eine “Flex-Agenda” für das künftige Stromsystem sowie Maßnahmen zur Dämpfung der Systemkosten (Digitalisierung, Transparenz, flexible Anschlussverträge) auf dem Programm. Die Kongress-Nachberichte erscheinen in den nächsten Tagen; die sbc-Ausgabe 16 (KW 25) wird die konkreten Beschlusslinien einordnen.

Relevanz für sbc

Der BDEW Kongress ist der wichtigste Taktgeber für die Beratungsagenda der zweiten Jahreshälfte. Drei Themen sollten besonders im Fokus stehen: (1) Welche konkreten Zeitpläne nennt die Bundesregierung für StromVKG-Ausschreibungen? (2) Welche Signale kommen zu einer möglichen Flex-Regulierung – und damit zur iMSys-Hochlaufstrategie? (3) Welche Rolle soll Fernwärme im GModG-Szenario spielen, in dem fossile Heizungen wieder erlaubt sind?

Digitalisierung • Smart Meter

77 Verfahren: BNetzA eskaliert beim iMSys-Rollout – kleine Stadtwerke im Visier

Bisher galt: Der Smart-Meter-Rollout lief schleppend. Ende 2025 verfügten bundesweit nur 5,5 Prozent aller Haushalte über ein intelligentes Messsystem (iMSys). Zwar lag die Pflichteinbau-Quote bei 23,3 Prozent – knapp über dem gesetzlichen Soll von 20 Prozent. Aber: 340 grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) hatten Ende 2024 noch kein einziges iMSys installiert.

Künftig: Die BNetzA hat am 27. März 2026 insgesamt 77 Aufsichtsverfahren gegen gMSB eingeleitet, die die 20-Prozent-Quote nicht erfüllen. Davon betroffen sind überwiegend kleine Stadtwerke, die den technologischen Sprung vom klassischen Zähler zum iMSys – mit SMGW, IT-Infrastruktur und neuen Prozessen – noch nicht vollzogen haben. Zugleich zeigt sich bei größeren Messstellenbetreibern: Stromnetz Berlin hat bereits 53 Prozent Smart-Meter-Abdeckung; einzelne kleinere Netzgebiete wie Stadtwerke Lübz sind bereits bei 100 Prozent. Die Konsolidierung des Marktes nimmt Fahrt auf: Mehrere Anbieter (inexogy, Hausheld-Verbund) bauen ihre Rollout-Kapazitäten massiv aus.

Der Zusammenhang mit Energy Sharing ist direkt: Ohne iMSys kein Energy Sharing, kein §14a-Lastmanagement, keine dynamischen Tarife. Wer heute noch im Verfahren der BNetzA hängt, verliert den Anschluss an alle Digitalisierungsanwendungen der nächsten Fünf-Jahres-Periode.

Relevanz für sbc

Für sbc entstehen zwei Mandatsfenster: Erstens die Soforthilfe für gMSB im Aufsichtsverfahren – von der Lageanalyse über den Meilensteinplan bis zur Kommunikation mit der BNetzA. Zweitens die Unterstützung beim strategischen Hochlauf: Einkauf SMGW, IT-Integration, Prozessautomatisierung, ggf. Marktpartnerschaft mit spezialisierten MSB. Die Verfahren zeigen: Das Thema ist kein technisches Hintergrundrauschen mehr, sondern Chefsache.

Wärmeplanung • Essen / Ruhrgebiet

Essen zeigt das Modell: SWE und Iqony – Netzkopplung als Blaupause für den Ruhr-Wärmeplan

Bisher galt: Stadtwerke Essen und Iqony Fernärme operierten in getrennten Wärmesegmenten: Iqony als Betreiber des großen Hochtemperatur-Fernwärmenetzes (Essen, Bottrop, Gelsenkirchen), Stadtwerke Essen als Betreiber kleinerer Wärmenetze und lokaler Niedertemperatur-Konzepte (“StadtWärme”).

Künftig: Mit der im März 2026 unterzeichneten erweiterten Partnerschaftsvereinbarung prüfen beide Partner systematisch die Verbindung ihrer Infrastrukturen: Technische Konzepte zur Kopplung von Niedertemperatur-Wärmenetzen mit Hochtemperatur-Fernwärmesystemen, gemeinsame Nutzung von Wärmeerzeugungsanlagen, Synergien beim Ausbau klimafreundlicher Infrastrukturen. Bis 2040 will Iqony Fernärme klimaneutral sein – gefördert durch das Bundesprogramm Effiziente Wärmenetze (BEW). Die vertiefte Kooperation ist der richtige Schritt, bevor der Essener Wärmeplan am 30. Juni Rechtskraft bekommt und Investitionsentscheidungen auslöst.

Das Essener Modell – kommunales Stadtwerk plus privater Fernärmebetreiber in koordinierter Infrastrukturplanung – könnte Blaupause für andere Ruhrgebietsstädte werden. Dortmund, Bochum und Duisburg stehen vor ähnlichen Strukturfragen.

Relevanz für sbc

Das SWE-Iqony-Modell ist ein konkretes sbc-Referenzprojekt für die regionale Akquise: Welche anderen Stadtwerke-Fernärme-Konstellationen im Ruhrgebiet haben ähnliche Synergiepotenziale und noch keine Kooperationsarchitektur? Und: Sobald der Essener Wärmeplan am 30. Juni beschlossen ist, beginnt die eigentliche Investitionsplanung – dort braucht es Begleitung von der technischen Konzeption bis zur Finanzierungsstruktur.

 

■  Longread der Woche

Wärmeplanung, GModG und Bio-Treppe: Was jetzt für Eigentümer und Stadtwerke gilt

Während der BDEW-Kongress auf Systemfragen schaut, stehen Millionen Gebäudeeigentümer vor einer konkreten Entscheidung: Heizung tauschen – ja oder nein, und wenn ja, womit? Das GEG-Infoportal des BBSR (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) bietet die aktuell belastbarste Übersicht zu Fristen, Gesetzentwurf und den parallelen Entwicklungen bei kommunaler Wärmeplanung und GModG – einschließlich der konkreten Zeitachse von der Bundesratsstellungnahme (12. Juni) bis zum angestrebten Inkrafttreten (1. November 2026). Für Stadtwerke ist das Dokument nützlich, um in der Kundenkommunikation verbindliche Aussagen von Spekulation zu trennen.

Empfohlen: BBSR GEG-Infoportal “Gebäudemodernisierungsgesetz – Neuigkeiten und Chronologie” — bbsr-geg.bund.de

 

■  Anknüpfungspunkte – was sich weiterentwickelt hat

Ausgabe 14 • KW 23

BDEW Kongress als Ausblick: Damals angekündigt als wichtiger Signalgeber – heute findet er statt. Die vier Minister-Zusagen und das konkrete Programmthema “Flex-Agenda” geben dem in Ausgabe 14 adressierten Kapazitätsmechanismus-Thema eine neue Konkretheit.

Ausgabe 13 • KW 22

GModG-Kabinettsbeschluss: In Ausgabe 13 als zweites Schwergewicht neben Energy Sharing behandelt – jetzt geht es in die parlamentarische Hauptrunde. Die Bundesratsausschüsse machen den politischen Konflikt sichtbar, den wir damals schon skizziert haben.

Ausgabe 11 • KW 20

iMSys und Energy Sharing: Schon in KW 20 war die iMSys-Lücke das zentrale Hemmnis für den Energy-Sharing-Start. Die 77 BNetzA-Verfahren zeigen: Die Behörde hat aus dem schleppenden Rollout die Konsequenzen gezogen. Das Problem ist dasselbe – die Reaktion ist schärfer geworden.

 

■  NRW & Essen – regional

Essener Wärmeplan: 22 Tage bis zum Stichtag. Die erweiterte Partnerschaft zwischen Stadtwerken Essen und Iqony Fernärme schafft die technische Planungsgrundlage, auf der der Wärmeplan aufbauen kann: Niedertemperatur-Netze (“StadtWärme”) aus Grubenwasser, Flusswasser und industrieller Abwärme sollen mit dem bestehenden Hochtemperatur-Netz verknüpft werden. Das Ziel: klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040 – in Essen, Bottrop und Gelsenkirchen.

Branchentag Windenergie NRW: 30. Juni – 1. Juli, Neuss. Das Zeughaus Neuss wird Treffpunkt der NRW-Energiewirtschaft. Der 18. Branchentag diskutiert Systemintegration von Windkraft, Netze, Speicher, KI und Finanzierung – genau die Themen, die auch den Ruhr-Stadtwerken unter den Nägeln brennen.

Termine NRW – Juni/Juli 2026

10.–11.06. BDEW Kongress 2026 – STATION Berlin. Nachberichte in Ausgabe 16 (KW 25).
12.06. Bundesrat 1066. Sitzung – Stellungnahme zum GModG (67 Kritikpunkte, kein Vetorecht) und zur GEG-Fristverschiebung.
18.06. Offene Sprechstunde kommunale Wärmeplanung – NRW.Energy4Climate (Online). Letzte niedrigschwellige Beratungsmöglichkeit vor dem Stichtag.
30.06. Stichtag Wärmeplanung für alle Kommunen über 100.000 EW – und: Ab 1. Juli sinken die vNNE um 50 Prozent.
30.06.–1.07. 18. Branchentag Windenergie NRW – Zeughaus Neuss. Netze, Speicher, KI, Finanzierung.
 

■  Smalltalk-Stoff

77

Aufsichtsverfahren hat die BNetzA gegen säumige Messstellenbetreiber eingeleitet – obwohl die 20%-Quote im Aggregat erreicht ist. Wer einzeln scheitert, steckt trotzdem im Verfahren.

 

67

Kritikpunkte auf 59 Seiten hat der Bundesrat zum GModG-Entwurf formuliert. Stoppen kann der Bundesrat das Gesetz nicht – aber verzögern und nachschärfen.

 

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Ausgabe 15 • KW 24/2026 • 8. Juni 2026

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